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Carcassonne

Bewertung

„Carcassonne“ – der klangvolle Name einer südfranzösischen Festungsstadt des Mittelalters hat dem diesjährigen „Spiel des Jahres“ seinen Titel gegeben. Dies lässt aufhorchen, zumal „Carcassonne“ auch die zweite wichtige Auszeichnung für Spiele in Deutschland – den Deutschen Spielepreis 2001 – abgesahnt hat. Also eine unbesehene Kaufempfehlung ? Schauen wir mal näher hin.
„Carcassonne“ ist ein taktisches Legespiel: Landschaftsteile, die Straßen, Straßenkreuzungen, Stadtteile oder Klöster enthalten, werden reihum verdeckt gezogen und an passende Landschaftsteile angelegt. Durch „Gefolgsleute“, die je nach Landschaft zu „Bauern“, „Mönchen“, „Rittern“ oder „Wegelagerern“ werden, beansprucht der Spieler die Vorherrschaft in der jeweiligen Landschaft und Wertungspunkte, wenn es später zu einer Zwischen- oder zur Schlusswertung kommt. Dabei klingen die Begriffe „Ritter“ und „Wegelagerer“ meiner Meinung nach kriegerischer, als das Spiel eigentlich ist – was nicht heisst, dass es neben dem Ausbau eigener Landschaften nicht auch die Möglichkeit gibt, den Mitspielern die Suppe etwas zu versalzen. Dennoch sind die eigenen Handlungsmöglichkeiten auch vom Glück abhängig, d.h. von dem Landschaftsplättchen, das man gerade zieht und das man eben längst nicht überall anlegen kann.
Das Gute an „Carcassonne“ ist, dass es mit seinen taktischen Möglichkeiten einerseits und mit seinem Glücksfaktor andererseits sowohl echte Spielefans als auch Gelegenheitsspieler und wohl gerade auch Familien anspricht. Durchaus ansehnlich und gelungen ist auch die grafische Gestaltung des Spielplans, der sich aufgrund der unterschiedlichen Konstellationen jedes Mal anders entwickelt. Die Altersangabe „ab 8“ erscheint prinzipiell berechtigt: gerade beim Anlegen haben oft die Kinder den besten Blick („Guck mal, Papa, da vorne passt es doch!“). Das Regelwerk bleibt angenehm kurz, könnte aber im einen oder anderen Fall etwas eindeutigere Beispiele geben. Zu Recht betont der Verlag, dass das Spiel auch für zwei Spieler gut geeignet ist (Höchstzahl: fünf Spieler). Mit zunehmender Spielerzahl steigt die Bedeutung des Glücksfaktors etwas an. Die angegebene Spielzeit von 30-45 Minuten erscheint mir etwas untertrieben: da manche knifflige Entscheidung ansteht, vergehen schnell auch 60 Minuten für ein Spiel (was dann für die achtjährigen Spieler schwierig werden kann). Insgesamt erhält man für einen günstigen Preis von unter 15 € ein gutes und kurzweiliges Spiel, das eine breite Gruppe von Spielinteressenten ansprechen dürfte. Kaufempfehlung!
„Carcassonne“ stammt von Klaus-Jürgen Wrede und ist im Hans-im-Glück-Verlag erschienen und kostet ca. 12 €.

Burkhard Labusch