Spielerezensionen in alphabetischer Reihenfolge

Home Familienspiele Spielerkreise Kinderspiele 1- und 2-Personen-Spiele Bewertungsliste Impressum Links

Der kleine Hobbit

Bewertung

 

Der Drache auf dem Fels

Kennen sie den Drachenfels? Nein nein, nichts Falsches denken, der sagenumwobene und touristengebeutelte „höchste Berg Hollands“ in der Nähe von Bonn ist hier nicht gemeint. Hier geht´s vielmehr um den Berg des bösen Drachen Smaug, auf den dieser sich zurückgezogen hat, um dort die Edelsteine zu bewachen, die er einst dem Zwergenvolk stibitzt hat. Drache Smaug, Edelsteine, Zwergenvolk – klingelt´s jetzt bei ihnen? Klar, es geht um den „kleinen Hobbit“, Tolkiens Auftakt zu seiner berühmten Herr-der-Ringe-Trilogie. Wie der „Herr der Ringe“, so ist auch „Der kleine Hobbit“ zu einem Spiel verarbeitet worden. Also an die Würfel – fertig – los !

Wir Spieler versetzen uns in die Rolle von Bilbo Beutlin, dem gemütlichen kleinen Helden des Buches, und machen uns in unserer Heimat Beutelsend auf den langen Weg zum Fels des Drachen. Würfelnd kommen wir voran und versuchen gleichzeitig, uns auf unserem Weg für die Begegnung mit Smaug zu rüsten. Da gibt es Edelstein-Felder, auf denen wir uns – sogar ohne etwas dafür leisten zu müssen – einen Edelstein aus dem Gesamtvorrat nehmen dürfen. Schwieriger sind da schon die Abenteuer-Felder, denn nur wenn wir das jeweilige Abenteuer bestehen, dürfen wir uns einen oder gar mehrere „Erfahrungspunkte“ gutschreiben. Manche Abenteuer bestehen darin, dass wir einen einmal vorgelesenen Zwei- bis Vierzeiler auswendig nachsprechen müssen. Das ist mal was anderes, kann manchmal geradezu zum Horror werden, verliert aber naturgemäß auf Dauer an Reiz. Noch größer ist dieser Abnutzungseffekt, wenn es sich bei dem zu bestehenden Abenteuer um ein Rätsel handelt. Haben wir das Rätsel (und damit die Lösung) in früheren Spielen schon zweimal gehört, so wird aus der Herausforderung ein echter Langweiler. Am häufigsten schließlich sind die Abenteuer, bei denen wir uns zum Bestehen auf unser Glück verlassen. Glückspilze haben also durchaus ihre Chance in dem Spiel. Die anderen können auf bestimmten Feldern „Gandalf-Karten“ kaufen, denn mit der richtigen Gandalf-Karte können solche Abenteuer automatisch bestanden werden.

Endlich am Fels des Drachen angekommen, werden Edelsteine und Erfahrungspunkte addiert: Je höher die Zahl, desto größer unsere Chancen im Kampf gegen Smaug, einem Kampf, der – hallo Glückspilze ! – per Würfel ausgetragen wird. Wer am besten kämpft, gewinnt die meisten Edelsteine von Smaug hinzu und wer am Ende die meisten Edelsteine + Erfahrungspunkte hat, hat gewonnen.

Ein Lob gebührt der Ausstattung des Spiels, das ein echter „Hingucker“ ist und dadurch besonders die jüngeren Mitspieler fasziniert. Auch die große Bedeutung des Glücksfaktors finde ich bei einem Spiel „ab 8“ absolut in Ordnung. Dennoch kann ich das Spiel nur eingeschränkt empfehlen, denn der Spielmechanismus erscheint unausgewogen. Vor allem die oben angesprochenen Abnutzungseffekte sind auf Dauer ein echter Nachteil. Der Lockruf des Drachenfelses lässt auf längere Sicht nach. Ob ich nicht doch lieber nach Bonn fahre?

„Der Kleine Hobbit“ von Michael Stern und Keith Meyers ist im Klee-Verlag für 2 – 6 Spieler ab 8 erschienen. Spieldauer 45 – 60 Minuten, Kostenpunkt ca. 25 Euro.

 

Burkhard Labusch