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Die Händler von Genua

Bewertung

 

Und ewig lockt der Profit

Spiele, die sich am Prinzip der Geldvermehrung orientieren, gibt´s mehr als genug. Angefangen beim Klassiker Monopoly bis in die Gegenwart hinein tauchen immer wieder - gute und weniger gute - „Kapitalismusspiele“ auf. Das Ziel solcher Spiele, die maximale Geldanhäufung, scheint also doch verdächtig viel mit dem richtigen Leben zu tun zu haben. Ein Spiel, das ich in dieser Rubrik eher zu den besseren zählen würde, ist „Die Händler von Genua“.

Worum geht´s? Auf dem Plan von Genua, der durch ein Koordinatensystem in Gebäude- und Gassenfelder unterteilt ist, befindet sich ein aus fünf Scheiben bestehender „Händlerturm“. Dieser ist gemeinsame Spielfigur aller Mitspieler und wird von dem Spieler, der an der Reihe ist („Zugspieler“) über das Spielfeld bewegt. Von einem Startfeld, das ausgewürfelt wird, ausgehend, kann der Händlerturm vom Zugspieler über bis zu fünf Felder bewegt werden. Je nach Startfeld können so drei bis fünf verschiedene Gebäudefelder erreicht werden, und auf jedem Gebäudefeld winkt eine mehr oder weniger attraktive Aktion, die dort ausgeführt werden darf: große und kleine Aufträge können übernommen oder erfüllt, Rohstoffe erworben, hilfreiche Sonderkarten ergattert werden.

Die Sache hat nur einen Haken. Der Zugspieler darf pro Zug – genauso wie jeder andere Mitspieler – nicht mehr als eine Aktion durchführen. Weitere Aktionsmöglichkeiten können, um nicht zu verfallen, gegen Geld, Rohstoffe oder sonstige Güter an die Mitspieler verschachert werden. Und damit beginnt natürlich das Dilemma: verlangt man einen hohen Preis und geht man das Risiko ein, auf seinen Aktionen „sitzenzubleiben“? Oder andersherum: lohnt es sich, dem Mitspieler für ein paar mickrige Kröten eine schöne Aktion zu ermöglichen? Die Mitspieler versuchen stets, den Zugspieler durch mehr oder weniger attraktive Angebote davon zu überzeugen, sich in Richtung eines für sie besonders interessanten Gebäudes zu bewegen. Für den Zugspieler aber ist Vorsicht geboten. Allzu große Profitgier kann blind machen für wichtigere Interessen (also auch hier: fast wie im richtigen Leben). Und dennoch: ein wenig will der liebe Mitspieler auch gepflegt sein. Denn – das richtige Leben lässt ein weiteres Mal grüßen – der, dem ich jetzt die kalte Schulter zeige, wird sich als Zugspieler seinerseits wahrscheinlich auch „leider leider“ außerstande sehen, meinen Wünschen nachzukommen.

So entwickelt sich ein komplexes, aber auch recht interessantes und sehr kommunikatives Verhandlungsspiel, an dessen Ende – wie könnte es anders sein – der Reichste gewinnt. Obwohl ich das Spiel für gut halte, ist es wahrscheinlich nicht jedermanns Sache. So ist z.B. die Spielregel zwar gut und schlüssig formuliert, aber doch stolze 12 Seiten lang. Dies zeigt schon, dass „Die Händler von Genua“ nicht so sehr für bloße Gelegenheitsspieler, wohl aber für echte Spielefans und solche, die es werden wollen, geeignet ist.

„Die Händler von Genua“ ist bei Alea erschienen, ab 12 Jahren geeignet und dauert offiziell 60 – 120 Minuten (120 Minuten ist realistisch). Gespielt werden kann mit 2 – 5 Spielern und das Spiel kostet ca. 30 Euro.

 

Burkhard Labusch