Spielerezensionen in alphabetischer Reihenfolge

Home Familienspiele Spielerkreise Kinderspiele 1- und 2-Personen-Spiele Bewertungsliste Impressum Links

Piratenbucht

Bewertung

 

Blackbeard war Beamter!

Bei dem Spiel „Piratenbucht“ von Amigo wetteifern 3 – 5 Piraten um Ruhm, Schätze und Goldstücke. All dies will aber hart erkämpft sein – und so geht es dabei auch schon mal etwas aggressiver zu.

Das Spielfeld besteht aus sechs verschiedenen Inseln und einer Piratenbucht. Auf jeder Insel liegen „Piratenkarten“ aus, die unterschiedliche Zahlen von Schätzen, Goldstücken und Ruhmpunkten versprechen. Dann beginnt das Navigieren: jeder Spieler entscheidet sich geheim für eine Insel, die er ansteuern will. Schon hier erhält das Spiel aber einen gewissen Pokercharakter, denn außer von der Attraktivität der Karte lässt sich jeder Spieler auch von dem wahrscheinlichen Verhalten seiner Mitspieler beeinflussen. Hintergrund: steuern zwei oder mehr Spieler die gleiche Insel an, so muss zwischen ihnen gekämpft werden, bis ein Sieger feststeht. Und obwohl dem Sieger eines Gefechts Ruhmespunkte winken, ist das Risiko, zu unterliegen ohne Piratenkarte wegschippern zu müssen, oft zu groß.

Gefechte werden mit Würfeln ausgetragen, wobei sich die Gewinnchancen durch ein gut ausgerüstetes Schiff verbessern lassen. Diese gute Ausrüstung verschafft man sich wiederum nur auf den einzelnen Inseln. Auf jeder Insel kann aber nur ein Teilbereich des Schiffes – Ladekapazität für Schätze, Feuerkraft, Personal, Segel als Zeichen für Geschwindigkeit – aufgerüstet werden. Hingenommene Treffer in Seegefechten führen dazu, dass einer oder mehrere dieser Teilbereiche Schaden erleiden, bis z.B. ein Schiff ganz ohne Mannschaft den Kampf verloren hat und zur „Reparatur“ in die Piratenbucht muss. Gut gefällt mir hier, dass ein Spieler, der ein Gefecht verloren hat, keineswegs hoffnungslos auf die Verliererstraße gerät, sondern durchaus noch die Chance hat, das Spiel zu gewinnen.

Das alles spielt sich recht flott, hat aber – schon durch die wichtigen Würfel-Kämpfe –auch einen hohen Glücksanteil. Hinzu kommt aber noch Blackbeard, jener gefürchtete Piratenkönig, der mit seinem schwarzen Schiff über den Spielplan fährt, um alle anzugreifen, die die gleiche Insel ansteuern wie er. In der normalen Spielversion ist das eher etwas langweilig, denn Blackbeard muss hier scheinbar einen guten Schuss Beamtenblut in den Adern haben, steuert er die Inseln doch immer hübsch ordentlich in der vorgegebenen Reihenfolge an. Das erzeugt Berechenbarkeit und führt dazu, dass die Spieler, wenn sie sich nicht gerade sehr stark fühlen, möglichen Gefechten mit Blackbeard ebenso hübsch ordentlich aus dem Weg gehen. Spannender ist da schon die Variante „Blackbeards Rache“, bei der die von Blackbeard heimgesuchte Insel immer neu ausgelost wird – nachdem die Spieler sich bereits für eine Insel entschieden haben. Das erhöht den Adrenalinspiegel, aber auch und vor allem den ohnehin schon hohen Glücksfaktor des Spiels. Trotz des erfreulich zügigen Spielverlaufs kann mich dieses Spiel nur bedingt überzeugen.

„Piratenbucht“ von Randles/Stahl ist bei Amigo für 3 – 5 Spieler ab 10 Jahren erschienen und kostet cirka 33€.

Burkhard Labusch